Warum allergische Erkrankungen zunehmen und was davor schützt

Seit den 1970er Jahren haben allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma bronchiale oder Neurodermitis drastisch zugenommen. In den letzten beiden Jahrzehnten ist Neurodermitis zwar nicht mehr häufiger geworden, allerdings bleibt die Hauterkrankung auf einem sehr hohem Niveau. Diese Entwicklung wird in so gut wie allen Industrieländern beobachtet. Im Schnitt ist heute fast jede dritte erwachsene Person von mindestens einer allergischen Erkrankung betroffen. Doch was sind die Ursachen für diese Entwicklung?

Die Mikroflora-Hypothese

Ziemlich bekannt ist die Theorie, dass eine sehr saubere Umwelt in der frühen Kindheit dazu führt, dass sich das Immunsystem nicht gewöhnlich entwickelt. Dieser sogenannten „Hygienehypothese“ nach ist eine frühe Konfrontation mit mikrobiellen Antigenen jedoch für die Entwicklung des Immunsystems entscheidend. Denn durch mikrobielle Antigene würde nämlich die TH1-vermittelte Immunreaktion gefördert werden.

Gut zu wissen:

T-Helferzellen sind weiße Blutkörperchen die zu unserem erworbenen Immunsystem gehören. Sie lassen sich in zwei Untergruppen unterteilen. Während TH1-Zellen unter anderem für die Abwehr von Viren zuständig sind, setzen TH2-Zellen andere Botenstoffe frei. Typisch für allergische Erkrankungen ist eine überwiegende TH2-Antwort bei gleichzeitig abgeschwächter TH1-Antwort.

Zwar erklärt die Hygienehypothese den übermäßigen Anstieg von allergischen Erkrankungen in der westlichen Welt, da die Umgebung in den Industrieländern steriler ist. Allerdings ist der Begriff irreführend, da er den Eindruck erweckt, man müsse die Hygiene-Standards herabsetzen. Die wirklich wichtigen Bakterien, die vor allergischen Erkrankungen schützen, sind aber fast ausschließlich über

  • Ernährung
  • Vermeidung von Antibiotika
  • Lebensstilmaßnahmen

aufzunehmen. Sich nicht die Hände zu waschen oder sonst auf Hygienemaßnahmen zu verzichten, kann tatsächlich mehr Schaden anrichten. Vor allem in Krankenhäusern sind hohe Hygiene-Standards enorm wichtig, da sie Infektionen sehr gut vorbeugen. Zutreffender wäre also, von einer „Mikroflora-Hypothese“ zu sprechen.

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Allergischen Erkrankungen vorbeugen

Manche Kinder haben bereits sehr früh ein erhöhtes Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Das ist der Fall, wenn beispielsweise ein Elternteil bereits eine Allergie hat. Um trotzdem die Entstehung von allergischen Erkrankungen zu verhindern, wurden Leitlinien mit ausgewerteten wissenschaftlichen Erkenntnissen erstellt. Besonders empfehlenswert für Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kleinkinder sind:

Stillen

  • In den ersten vier Monaten ist volles Stillen stark empfohlen. Dies hat viele Vorteile sowohl für Mutter als auch Kind. Unter anderem fördert es bestimmte Bakterienstämme im Darm des Säuglings, vor allem Bifidusbakterien.

Ernährung

  • Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle, auch bereits in der Schwangerschafts- und Stillzeit. Wenn nach Vollendung des vierten Lebensmonats des Kindes Beikost eingeführt wird, ist auch hier eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung sehr empfohlen. Dabei sollte weder vor noch ein Jahr nach der Geburt die Diät stark eingeschränkt werden. Ganz gemäß der Mikroflora-Hypothese soll das Immunsystem frühzeitig an verschiedene Allergene gewöhnt werden, um diese rechtzeitig zu tolerieren.

Tabakrauch

  • Passiver und aktiver Tabakrauch, auch bereits während der Schwangerschaft, sollte vermieden werden.

Geburt

  • Die vaginale Geburt stellt ebenfalls eine Art “Allergieprophylaxe” dar. Dagegen erhöht ein Kaiserschnitt das Allergierisiko.

Impfungen

  • Impfungen können das Risiko für Allergien senken.

Das Vorbeugen von allergischen Erkrankungen hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen. In diesem Artikel haben wir nicht alle, aber einige wichtige Einflussfaktoren für Dich zusammengefasst. Auch wer eine erbliche Veranlagung für die Entwicklung von Allergien oder Neurodermitis hat, ist dem nicht hilflos ausgesetzt – eben sowenig die Kinder.

Quellen: