Wann ist Psychotherapie bei Neurodermitis sinnvoll?

Neurodermitis ist für sich keine psychische Erkrankung. Allerdings kann durch starke seelische Belastung durch Neurodermitis eine Psychotherapie sehr sinnvoll sein. Es gibt verschiedene Arten der Psychotherapie. Eine davon ist die kognitive Verhaltenstherapie. Bei dieser Therapie steht die Lösung von Alltagsproblemen und die Verbesserung der kommunikativen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten im Vordergrund. Sie kann die Neurodermitis-Symptome wie Juckreiz und Ekzeme lindern.

Den Juckreiz-Kratz-Kreislauf durchbrechen

Bei Neurodermitis leidet die Lebensqualität besonders unter dem Kreislauf aus Juckreiz und Kratzen. Auch Emotionen sind oftmals stark an den Juckreiz geknüpft. Bei der Frage danach, wie Betroffene von Neurodermitis den Juckreiz erleben, berichten sehr viele über Schmerzen und ein Gefühl der Hitze. Der Juckreiz wird als lästig, brennend, unangenehm und störend wahrgenommen. Doch jede Person mit Neurodermitis weiß, dass der einfache Ausspruch „Hör’ auf zu kratzen“ leichter gesagt als getan ist.

Eine psychologische Behandlung kann hier auf zwei Weisen ansetzen. Einerseits kann sie Gewohnheiten und Verhaltensweisen fokussieren, um den Kreislauf zu durchbrechen. Hier werden Alternativen für das tägliche Kratzen geschaffen. Darüber hinaus vermittelt eine Psychotherapie den Umgang mit Schmerzen und Emotionen durch die Hautkrankheit. So kann Psychotherapie bei chronischen Schmerzen effektiv das wahrgenommene Schmerzerleben verringern.

Psychotherapie im Umgang mit Stress

Auch auf biologischer Ebene reagiert unser Körper auf Stressoren. Stress steht im direkten Zusammenhang mit Neurodermitis-Symptomen. Deshalb haben sich Entspannungsverfahren und Psychotherapie in der Neurodermitis-Behandlung bewährt. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass ein bestimmtes Programm zum Stressmanagement nach acht Wochen:

  • den Juckreiz mindert 
  • den Schweregrad der Neurodermitis verringert
  • Ängstlichkeit und persönliche Selbstvorwürfe zurückgehen.

Der Effekt von Entspannungsverfahren ist bei Neurodermitis gut belegt. Autogenes Training ist beispielsweise leicht zu erlernen und vielseitig einsetzbar. Ziel ist, das vegetative Nervensystem (z. B. Atmung, Herzschlag) positiv zu beeinflussen. Es gibt autogenes Training, das speziell für Patienten und Patientinnen mit Neurodermitis angepasst ist. Dabei wird der Fokus auf bestimmte Körperregionen gelenkt und. So wird das Unterbewusstsein trainiert, die Haut anders wahrzunehmen. Gedanken, die zur Bewältigung dienen, sind zum Beispiel:

  • „Mit jeder Atmung nimmt der Juckreiz mehr und mehr ab.“
  • „Ich brauche mich nicht zu kratzen.“
  • „Meine Haut ist durch eine sanfte und kühle Schicht geschützt“.

Entspannungs- oder Meditationsübungen können auch die Schmerzen der Haut lindern. Mehr darüber kannst Du hier nachlesen.

Wann ist eine Psychotherapie für Neurodermitis-Betroffene sinnvoll? 

Bei etwa 20 % der Patienten und Patientinnen mit Neurodermitis ist eine psychologische Behandlung ratsam. Voraussetzung ist, dass psychologische Faktoren Neurodermitis auslösen oder psychosoziale Folgen für Betroffene oder Familie durch die Neurodermitis entstehen. Ob eine Psychotherapie bei Neurodermitis angemessen ist, lässt sich daher nur individuell entscheiden.

Merke:

Psychologische Behandlungen der Neurodermitis können sehr effektiv sein. Vor allem die Verhaltenstherapie ist gut belegt. Ob Psychotherapie für Dich geeignet ist, kann nur im Gespräch mit einem Facharzt oder -ärztin individuell erwogen werden.

 

Quellen: 

  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG): S1 Leitlinie Psychosomatische Dermatologie (Psychodermatologie), 31.03.2018, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-024.html , Zugriff am 29.08.2022 
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG): S2k Leitlinie Neurodermitis
  • Chida, Y., Steptoe, A., Hirakawa, N., Sudo, N., & Kubo, C. (2007). The effects of psychological intervention on atopic dermatitis. A systematic review and meta-analysis. International archives of allergy and immunology, 144(1), 1–9. https://doi.org/10.1159/000101940