Wann brauche ich mit Neurodermitis die Booster-Impfung gegen Corona?

Die aktuelle Corona-Welle ist in vollem Gange und trotz der Impfungen steigt die Zahl der Infektionsfälle weiter an. Zudem ist bei immer mehr Menschen die Grundimmunisierung schon eine Weile her. Sie benötigen eine Auffrischungsimpfung, um den Schutz vor dem Virus zu erneuern. Auch viele Betroffene mit Neurodermitis haben ihre erste bzw. zweite Impfung gegen COVID-19 schon früh bekommen und es ist Zeit für die Booster-Impfung.

Warum ist eine dritte COVID-19-Impfung notwendig?

Die Schutzwirkung durch die Grundimmunisierung gegen COVID-19 lässt nach einer Weile nach, vor allem bei Menschen in höherem Alter oder mit geschwächtem Immunsystem. Besonders für Personen mit einem hohen Risiko für einer schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion ist die Auffrischungsimpfung darum wichtig. Denn bei ihnen besteht nach einer vollständigen Impfung möglicherweise kein ausreichender oder ein schnell nachlassender Impfschutz.

Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfung

Für den Aufbau eines wirksamen Impfschutzes sind oft mehrere Teilimpfungen notwendig. Die Gesamtheit dieser Teilimpfungen gegen einen Erreger nennt man Grundimmunisierung. Eine Auffrischungsimpfung dient dazu, das Immunsystem nach einiger Zeit an den Erreger zu “erinnern” und die Schutzwirkung der Impfung aufrechtzuerhalten.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) lautet, dass alle Personen ab 18 Jahren, deren vollständige Impfung mindestens drei Monate zurückliegt, eine Auffrischungsimpfung mit einem der mRNA-Impfstoffe erhalten sollten. Auch wer die ersten beiden Impfungen mit einem der sogenannten Vektor-Impfstoffe erhalten hat, kann sich nun eine einmalige Auffrischungsimpfung mit einem der mRNA-Impfstoffe verabreichen lassen. Für 12- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche gilt die Empfehlung, dass sie in einem Zeitfenster von drei bis sechs Monaten nach abgeschlossener Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung mit dem für diese Altersgruppe zugelassenen mRNA-Impfstoff erhalten sollten.

Wirkungsweise der mRNA-Impfstoffe

Die mRNA-Impfstoffe gehören zur neuen Generation der genbasierten Impfstoffe. Im Falle der COVID-19-Impfung enthalten diese Impfstoffe den genetischen Bauplan für einen bestimmten Bestandteil des Virus, das sogenannte Spike-Protein. Das Spike-Protein sitzt an der Oberfläche des Coronavirus und wird vom menschlichen Immunsystem als fremdes Antigen erkannt. Nach der Impfung mit dem mRNA-Impfstoff bilden die Zellen mithilfe des Bauplans das Spike-Protein nach und geben es in die Umgebung ab. Wenn es anschließend auf Immunzellen trifft, wird eine spezifische Immunantwort ausgelöst und es werden Antikörper gebildet. Kommt die geimpfte Person dann später in Kontakt mit dem COVID-19-Virus, wird das Antigen wiedererkannt und das Immunsystem kann es gezielt bekämpfen.

Alle derzeit in Europa zugelassenen Impfstoffe gegen COVID-19 sind sehr wirksam und können in der großen Mehrheit der Fälle eine Infektion mit dem Virus verhindern. Vereinzelt gibt es sogenannte „Impfdurchbrüche“. Das heißt, dass sich eine vollständig geimpfte Person dennoch mit dem Virus infiziert und Symptome bekommt. In der Regel sind diese Symptome jedoch nur leicht und im Krankenhaus behandlungsbedürftige Verläufe sind sehr selten. Laut der STIKO steigt die Wahrscheinlichkeit für Impfdurchbrüche mit dem Nachlassen des Impfschutzes an. Eine Auffrischungsimpfung kann dieses Risiko senken und die Immunantwort verlängern.

Neurodermitis ist keine Kontraindikation gegen eine COVID-19-Impfung

Kontraindikation (oder Gegenanzeige) bedeutet, dass eine Maßnahme wie eine Behandlung oder Untersuchung nicht durchgeführt werden darf. Gründe für eine Kontraindikation können bestimmte Erkrankungen oder Zustände wie eine Schwangerschaft sein.

Neurodermitis stellt keine Kontraindikation gegen eine COVID-19-Schutzimpfung dar. Wie bei der ersten Impfung gilt auch für die Auffrischungsimpfung, dass Menschen mit atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis kein höheres Risiko als die allgemeine Bevölkerung aufweisen. Frau Prof. Dr. Margitta Worm, Leiterin der Abteilung für Allergologie und Immunologie an der Charité Berlin, bestätigt auch im Dezember 2021:

„Es gilt nach wie vor die Empfehlung, dass auch Neurodermitikerinnen und Neurodermitiker, sowohl mit als auch ohne immunsupprimierende Behandlung, einen ausreichenden Impfschutz im Hinblick auf SARS-CoV-2 haben sollten. Das Vorliegen einer Neurodermitis ist keine Gegenindikation.”

Prof. Dr. Margitta Worm, Charité Berlin

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt, dass Personen, bei denen nach der ersten COVID-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff eine allergische Reaktion aufgetreten ist, keine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Auch Patientinnen und Patienten, bei denen in der Vergangenheit schwere allergische oder anaphylaktische Reaktionen aufgetreten sind, sollten sich vor einer Impfung in einem allergologischen Zentrum vorstellen. Bei Allergien, die nicht im Zusammenhang mit Impfstoff-Bestandteilen oder Medikamenten stehen, steht einer Impfung jedoch nichts entgegen.

Kann meine Neurodermitis-Therapie die Immunantwort auf die COVID-19-Impfung beeinträchtigen?

Einige der Medikamente, die bei der Behandlung der Neurodermitis zum Einsatz kommen (z.B. Cortison oder andere Immunsuppressiva), unterdrücken das Immunsystem und können die Infektanfälligkeit erhöhen. Auch die Schutzwirkung der COVID-19-Impfung basiert auf einer Antwort des Immunsystems. Die mRNA-Impfstoffe machen sich das Immunsystem des Körpers zunutze, indem sie eine ähnliche Immunantwort auslösen wie auf eine natürliche Virusinfektion. Im Folgenden sind einige Behandlungen aufgelistet, die bei Neurodermitis verschrieben werden können:

  • topische Behandlung
  • Cortison und Immunsuppressiva
  • Dupilumab
  • Januskinase-Inhibitoren
  1. Bei einer topischen (d.h. äußerlich auf der Haut angewendeten) Therapie der Neurodermitis mit cortisonhaltigen Cremes oder Salben ist nicht davon auszugehen, dass sie das Immunsystem beeinträchtigen.
  2. Wenn Cortison oder andere das Immunsystem unterdrückende Medikamente als Tablette eingenommen werden, besteht abhängig vom Medikament und der Dosis die Gefahr, dass das Immunsystem nicht ausreichend auf die Impfung anspricht. Betroffene, die innerlich wirkende Medikamente einnehmen, sprechen am besten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über mögliche Auswirkungen auf eine Impfung.
  3. Dupilumab, das bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis angewendet wird, gilt nach derzeitigem Wissensstand hingegen nicht als immunsuppressiv. Dennoch kann nach Möglichkeit die Impfung zeitlich so gelegt werden, dass der Abstand zur nächsten Behandlung mit Dupilumab etwa 7-10 Tage beträgt. 
  4. Betroffene, die einen Januskinase-Inhibitor erhalten, können abhängig von der Dosis oder Einnahmeform als immunsupprimiert angesehen werden. Sie sollten vor der Impfung ebenfalls mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin sprechen. Es kann sinnvoll sein, in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin die Behandlung nach der Impfung so lange zu pausieren, bis ein ausreichender Impfschutz aufgebaut ist.

Risiko-Nutzen-Verhältnis der Impfung fällt positiv aus

Genau wie bei der ersten bzw. zweiten Dosis der COVID-19-Impfung gilt, dass manche Patientinnen und Patienten aufgrund möglicher auftretender Nebenwirkungen wie Fieber, Kopf- oder Gelenkschmerzen die Impfung lieber in einem schubfreien Intervall durchführen. Auch die Impfung selbst kann bei einigen Betroffenen zu einer leichten Verschlechterung der Symptome führen, dies ist jedoch vorübergehend.

Auch wenn die Impfstoffe eine sehr hohe Wirksamkeit aufweisen, besteht trotz Impfung noch eine geringe Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Jedoch lässt sich mit der Impfung selbst bei einer Infektion das Risiko für schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte deutlich senken und mit der Auffrischungsimpfung nochmal reduzieren. Die bisherige Erfahrung mit den derzeit in der EU zugelassenen Impfstoffen zeigt, dass der Nutzen einer Impfung gegen COVID-19 bei weitem die Risiken übertrifft, auch für Neurodermitikerinnen und Neurodermitiker.

Zusammenfassung:

Neurodermitis ist keine Gegenanzeige für eine Impfung und Betroffene können ohne Probleme die Auffrischungsimpfung gegen COVID-19 erhalten. Einige zur Behandlung der Neurodermitis eingesetzten Medikamente können möglicherweise Auswirkungen auf den Aufbau des Impfschutzes haben. In diesen Fällen ist es sinnvoll, dass Betroffene vorher mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin Rücksprache halten. Durch die Impfung wird das Risiko einer Infektion und für schwere Verläufe deutlich reduziert. Von diesem Schutz sollten auch Neurodermitikerinnen und Neurodermitiker profitieren.

Quellen:

Thyssen JP u.a. European Task Force on Atopic Dermatitis: position on vaccination of adult patients with atopic dermatitis against COVID-19 (SARS-CoV-2) being treated with systemic medication and biologics. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2021 May;35(5):e308-e311. doi: 10.1111/jdv.17167. Epub 2021 Mar 7. PMID: 33587756; PMCID: PMC8014632.

Diotallevi F u.a. Vaccines for COVID-19 in patients with atopic dermatitis: three things every dermatologist should know. Acta Dermatovenerol Alp Pannonica Adriat. 2021 Jun;30(2):67-69. PMID: 34169702.

Wack S, Patton T, Ferris LK. COVID-19 vaccine safety and efficacy in patients with immune-mediated inflammatory disease: Review of available evidence. J Am Acad Dermatol. 2021 Nov;85(5):1274-1284. doi: 10.1016/j.jaad.2021.07.054. Epub 2021 Aug 4. PMID: 34363909; PMCID: PMC8336973.

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html, Zugriff am 7.12.2021

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/Flowchart_Allergieanamnese.pdf?__blob=publicationFile, Zugriff am 7.12.2021

https://www.pei.de/DE/newsroom/positionen/covid-19-impfstoffe/stellungnahme-allergiker.html;jsessionid=9868B0A95BE874D8593B89DE2CA7464A.intranet231?nn=169730, Zugriff am 7.12.2021