Psychodermatologie: Neurodermitis und psychische Störungen

Einige Hautkrankheiten werden stark durch psychosoziale Faktoren (Aspekte, die sowohl die Psyche als auch das Sozialverhalten betreffen) beeinflusst. Zum Beispiel fühlen manche Neurodermitis-Betroffene Scham über ihre Symptome auf der Haut. Das kann zur Folge haben, dass sie sich aus sozialen Situationen zurückziehen. Soziale Isolation wirkt sich wiederum auf die Psyche aus – und kann sich negativ auf den Behandlungsverlauf ausschlagen.

Was ist Psychodermatologie?

Psychodermatologie (auch: Psychosomatische Dermatologie) beschäftigt sich mit dem Einfluss der Psyche auf die Haut. Während die Dermatologie eher die körperlichen Ursachen und die von außen sichtbaren Symptome fokussiert, behandelt die Psychodermatologie die nicht-sichtbare Erkrankung. Bei Neurodermitis haben psychosoziale Faktoren eine große Bedeutung für die Therapie und den Verlauf.

 

Psyche und Haut können sich gegenseitig beeinflussen.

Psychischer Stress als bekannter Auslöser

Unter den psychosozialen Faktoren ist Stress ein sehr gut belegter Auslösefaktor für Neurodermitis. Besonders chronischer Stress wirkt sich belastend auf das Immunsystem aus. So kann Stress die Barrierefunktion der Haut vermindern. Andersherum stellt die körperliche, persönliche und finanzielle Belastung der Hautkrankheit oftmals einen Stressor dar. Neurodermitis-Betroffene investieren zumeist viel Zeit und Geld in die Behandlung.

Die Lebensqualität leidet unter der Neurodermitis

In der Nia App kannst Du ermitteln, wie sich die Neurodermitis auf Deine tägliche Lebensqualität auswirkt. Das Konzept der Lebensqualität berücksichtigt die umfangreichen Einflüsse von körperlicher und psychischer Verfassung, soziale Beziehungen sowie den Grad der Selbstständigkeit auf Dein Wohlbefinden.

Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen.”

WHO, 1993

Die Auswirkung von Neurodermitis auf die Lebensqualität kann enorm hoch sein. Viele Bereiche des Lebens können durch Neurodermitis eingeschränkt sein, vergleichbar mit anderen schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, Herzerkrankung oder Depressionen. 

Wichtig:

Die Schwere der Hauterkrankung muss nicht notwendigerweise mit der persönlichen Wahrnehmung der Einschränkung zusammenhängen. Auch mildere Formen der Neurodermitis können bereits zu erheblicher psychischer Belastung führen. 

Depressionen können Folge der Neurodermitis sein

Wir leben in einer Kultur, die makellose und glatte Haut wertschätzt. Sichtbare Abweichungen davon können Auslöser für Stigmatisierung oder sozialen Rückzug sein. Wahrgenommene Stigmatisierung könnte ein Grund dafür sein, dass 25 – 30 % der Neurodermitis-Betroffenen psychische Probleme erleben. Angststörungen oder Depressionen können Folge der Hautkrankheit sein. 

Eine Depression ist eine psychische Störung und kann sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Fehlender Antrieb, Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung und Interessensverlust über einen längeren Zeitraum können Anzeichen einer Depression sein. Auch Konzentrations- und Schlafprobleme, veränderter Appetit und Hoffnungslosigkeit treten häufig auf. Depressionen sind mit einer Psychotherapie, sowie kurzfristig mit Medikamenten (Psychopharmaka) behandelbar.

In einer großen Übersichtsarbeit wurde beobachtet, dass Betroffene von Neurodermitis häufiger suizidale Gedanken haben. Auch Suizidversuche kommen bei Neurodermitiker*innen häufiger vor als bei Personen ohne Neurodermitis. Darum ist es sehr wichtig, die eigene psychische Gesundheit ernst zu nehmen und gegebenenfalls Hilfe zu suchen.

Wenn Du merkst, dass Deine psychische Gesundheit unter der Neurodermitis leidet, solltest Du das ernst nehmen. Sprich mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin darüber und lass Dich beraten, ob eine Psychotherapie für Dich geeignet ist. Solltest Du akut Hilfe oder einfach nur jemanden zum Reden brauchen, kannst Du Dich jederzeit anonym und kostenlos an die Telefonseelsorge wenden.