Neurodermitis und die Psyche

Stressgefühle können eine wichtige Rolle beim Verlauf der Neurodermitis spielen. Als sogenannte psychische Schubauslöser können sie Juckreiz und Kratzen auslösen und den Hautzustand verschlechtern.

Stress wirkt sich über komplexe neurologische, hormonelle und immunologische Zusammenhänge auf die Haut aus. Die individuelle Stressschwelle ist unterschiedlich und es hat auch einen Einfluss, ob man akut oder chronisch unter hoher Anspannung steht.

Dabei bedeutet Stress nicht, immer nur negative Gefühle zu haben. Auch positiv empfundene Erlebnisse können Aufregung und Anspannung mit sich bringen. Ebenso bringt die kindliche Entwicklung immer wieder Herausforderungen mit sich und geht mit starken Gefühlen einher. Kinder mit Neurodermitis sind zudem oft feinfühlig und sensibel, sie reagieren schnell auf Spannungen und Konflikte, auch aus der Familie und dem Umfeld.

Je nach Alter und Lebenswelt des Kindes können verschiedene Stressoren in Frage kommen. Hier finden Sie eine Auswahl.

Allgemeine Stressoren:

  • Konfrontation mit neuen Situationen
  • Veränderung der Alltagsroutine
  • Reizüberflutung oder Langeweile
  • Entwicklungs- und Trotzphasen
  • Positiver Stress, z.B. Vorfreude auf Geburtstag, Reisen
  • Konflikte in Familie oder mit Freunden
  • Zeit- und Leistungsdruck

Krankheitsbedingte Stressoren:

  • Juckreiz und Schmerzen, wiederkehrende Schübe
  • Therapieaufwand
  • Verzicht und Einschränkungen, z.B. bei Allergien
  • Durchschlafschwierigkeiten und nachfolgende Konzentrationsprobleme
  • Selbstbild- und Selbstwertprobleme, z.B. die eigene Haut nicht mögen, Angst vor Ablehnung
  • Hilflosigkeits- oder Schuldgefühle, z.B. wegen des Kratzens

Diese 9 Maßnahmen können helfen, zur Ruhe zu kommen

  1. Schlafdefizite ausgleichen
  2. Regelmäßiger Tagesablauf, Ruhepausen einkalkulieren
  3. Geschichten erzählen, Entspannungsübungen und -musik
  4. Gefühle verarbeiten, indem man über sie spricht
  5. Abreagieren durch körperliche Aktivitäten
  6. Kreative Umsetzung durch Malen oder Spielen
  7. Vorhersehbare Stresssituationen mit dem Kind besprechen oder Verhalten einüben
  8. Selbstwertgefühl des Kindes stärken: Hobbies und Kompetenzen fördern
  9. Bei Bedarf professionelle Hilfe: Entspannungstraining, Yoga für Kinder, Stressbewältigungskurse, Psychotherapie

Was Du für Dein Kind tun kannst

  • Stärke Dein Kind bei seiner Stressbewältigung
  • Sorge für ausreichenden Schlaf und einen geregelten Tagesablauf
  • Achte auf regelmäßige Entspannungszeiten ohne ständige Reizüberflutung
  • Helfe Deinem Kind, seine Gefühle auszudrücken durch Spielen und Gespräche
  • Bereite Dein Kind auf neue Situationen und Veränderungen vor
  • Stärke das Selbstwertgefühl Deines Kindes

Merke:

Positiven und negativen Stress zu erleben gehört zur normalen Entwicklung des Kindes. Stress kann nicht generell vermieden werden, der Umgang damit kann jedoch gelernt werden!

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