Kortison-Abhängigkeit: Das Topic Steroid Withdrawal Syndrom

Topic Steroid Withdrawal

Salben mit Glukokortikoiden werden zur Behandlung unterschiedlicher Hautkrankheiten genutzt. Werden diese Salben zu lange in einer zu hohen Dosierung aufgetragen, kann sich die Hautkrankheit sogar verschlimmern, sobald die Therapie beendet wird. Warum Du vor Kortison trotzdem keine Angst haben musst, erfährst Du hier.

So kommt es zum TSW-Syndrom 

Das Topic Steroid Withdrawal (TSW) Syndrom wird im Deutschen auch Kortison-Entzugs-Syndrom genannt. Wie der Name sagt, tritt das Syndrom nach einer Glukokortikoid-Therapie auf. Zu ersten Symptomen kann es Tage bis Wochen nach Therapieende kommen. Jedoch nur, wenn Glukokortikoid-Salben unsachgemäß aufgetragen wurden.  Die Symptome des TSW-Syndrom sind:

  • stark gerötete Hautstellen
  • juckende Haut
  • brennende Haut
  • schuppige Haut
  • Psychische Probleme/ Depressionen

Es kann Wochen bis Jahre dauern, bis sich der Hautzustand wieder normalisiert.

Was sind Glukokortikoide und für was werden sie genutzt?

Glukokortikoide werden vom Körper produziert und übernehmen wichtige Funktionen im Stoffwechsel. Zu den natürlichen Glukokortikoiden gehören u.a. Kortison und Hydrokortison. Wegen ihrer entzündungshemmenden, antiallergischen und Immunsystem-unterdrückenden Eigenschaften werden sie auch künstlich hergestellt und kommen bei vielen Erkrankungen zum Einsatz. Zum Beispiel helfen sie bei Asthma, Allergien und Hautkrankheiten wie Ekzemen, Neurodermitis und Psoriasis. 

Glukokortikoide können topisch, das heißt auf die Haut aufgetragen werden, oder über Tabletten oder Spritzen systemisch auf den ganzen Körper wirken. Bei Hauterkrankungen wird die topische Therapie bevorzugt. Denn bei einer systemischen Therapie sind mögliche Nebenwirkungen höher.

Beim Einsatz von Glukokortikoiden ist es wichtig, dass Du die Behandlung genau mit Deinem*r Ärzt*in absprichst. So kannst Du mögliche Nebenwirkungen reduzieren. Das schwache Hydrocortison ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Verwende aber auch dieses Glukokortikoid nur mit Bedacht und lass dich fachmännisch in der Apotheke beraten.

Generell gilt: Trage Glukokortikoid-Salben nur über einen kurzen Zeitraum dünn auf betroffene Hautstellen auf. 

Kortison-Angst

Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Glukokortikoide mehr und mehr medizinisch genutzt. Damals kam es sehr häufig zu Nebenwirkungen wie 

  • dünnere Haut
  • Pigmentierungsstörungen
  • stärkere Behaarung
  • Dehnungsstreifen

Deswegen haben viele Menschen eine sogenannte Kortison-Angst entwickelt. Doch die Forschung zu Glukokortikoiden ging weiter. Heute gibt es Glukokortikoide, die bei gleicher Wirkung weniger Nebenwirkungen haben. Außerdem gibt es genaue Regeln zur Anwendung, welche der Arzt/ die Ärztin individuell auf die Patient*innen abstimmt. 

Wenn Du Glukokortikoide wie vom Arzt oder der Ärztin verordnet anwendest, musst du keine Angst haben.

Aber was, wenn Du nach der Glukokortikoid-Behandlung eine Veränderung Deiner Haut bemerkst?

Neurodermitis-Schub oder TSW-Syndrom? 

Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung. Daher ist es ganz normal, wenn Du Tage bis Wochen nach einem mit Glukokortikoiden behandelten Schub wieder einen Schub bekommst. Dabei können dieselben Hautbereiche oder auch andere Hautbereiche als beim vorherigen Schub betroffen sein. Die Symptome eines Neurodermitis-Schubs sind ähnlich denen eines TSW-Syndroms.

Beim TSW-Syndrom dagegen treten Ekzeme immer an zuvor mit Glukokortikoiden behandelten Hautstellen auf. Die Symptome sind jedoch meist stärker und breiten sich oft auf zuvor nicht-betroffene und nicht-behandelte Hautstellen aus. 

Die Wahrscheinlichkeit, ein TSW-Syndrom zu entwickeln, ist außerdem erhöht, wenn es während der Behandlung zu einer Kortison-Abhängigkeit kam. Hierbei muss die Glukokortikoid-Menge stetig erhöht werden, um eine Linderung der Symptome zu bewirken. 

In Deutschland ist die Anwendung von Glukokortikoiden stark reguliert. Nur sehr schwache Glukokortikoide sind rezeptfrei erhältlich und selbst diese können nur in Apotheken erworben werden. Deshalb ist es hier sehr unwahrscheinlich, ein TSW-Syndrom zu entwickeln. Interessanterweise ist es nicht einmal als Nebenwirkung topischer Glukokortikoide gelistet. 

Das TSW-Syndrom tritt häufiger in Ländern auf, in denen die Anwendung von Glukokortikoide nicht so stark reguliert wird wie in Deutschland. Durch das Netzwerk der sozialen Medien bekam das Syndrom auch in Deutschland seine Popularität.

Fazit

In Deutschland unterliegen Glukokortikoide strengen Therapieregeln , weswegen man keine Angst haben muss, ein TSW-Syndrom zu entwickeln, wenn man es wie vom Arzt/ der Ärztin verordnet anwendet.

Quellen:

A systematic review of topical corticosteroid withdrawal (“steroid addiction”) in patients with atopic dermatitis and other dermatoses – PubMed (nih.gov) Zugriff: 12.10.2022

Steroid Withdrawal Effects Following Long-term Topical Corticosteroid Use – PubMed (nih.gov) Zugriff: 12.10.2022

Topical corticosteroid addiction and withdrawal – An overview for GPs – PubMed (nih.gov) Zugriff: 12.10.2022

Steroid Phobia: Is There a Basis? A Review of Topical Steroid Safety, Addiction and Withdrawal – PubMed (nih.gov) Zugriff: 12.10.2022