Biologika in der Neurodermitis-Therapie

Von Neurodermitis sind bis zu 13 % der Kinder und ca. 2–4 % der Erwachsenen betroffen. Bei einem Großteil der Erkrankten lassen sich die Symptome gut mit äußerlich auf der Haut angewendeten Medikamenten behandeln. In einigen Fällen ist die Behandlung mit Cremes und Salben jedoch nicht ausreichend und eine innerliche Therapie kann notwendig sein.

In den letzten Jahren hat sich bei der innerlichen (systemischen) Behandlung der Neurodermitis einiges getan. Es stehen mehrere neue Medikamente zur Verfügung, die zielgerichtet in die Entzündungsprozesse eingreifen und sie hemmen. Einige dieser Medikamente gehören zur Substanzgruppe der Biologika.

Gezieltes Eingreifen ins Erkrankungsgeschehen

Biologika (auch Biologicals) sind biotechnologisch produzierte Eiweißstoffe, die seit einigen Jahren in der Behandlung verschiedener Erkrankungen wie zum Beispiel der Psoriasis eingesetzt werden. Die auf diese Weise hergestellten Arzneimittel ähneln körpereigenen Substanzen und Botenstoffen des Immunsystems. Dadurch können sie beispielsweise auf spezifische Prozesse der Immunreaktion einwirken und so entzündungsfördernde Signalwege unterbrechen.

Bei Neurodermitis liegt eine Fehlregulation der Immunantwort vor und das Immunsystem reagiert überempfindlich auf normalerweise harmlose Reize. Durch die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen fördern, kommt es zur Entstehung der Erkrankungssymptome. Im Fall von Neurodermitis spielen unter anderem die Botenstoffe Interleukine-4 und Interleukin-13 eine Rolle. Diese Interleukine werden bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis in erhöhten Mengen gebildet und sind an der Entstehung von Hautentzündung und Juckreiz beteiligt.

Seit einigen Jahren gibt es sogenannte monoklonale Antikörper aus der Gruppe der Biologika, einige von ihnen sind auch für die Behandlung von Neurodermitis zugelassen und greifen hier gezielt in die fehlgeleitete Immunreaktion ein. Sie verhindern, dass sich die Botenstoffe mit ihren spezifischen Andockstellen verbinden, wodurch ihre entzündungsfördernde Wirkung nicht mehr entfaltet werden kann.

Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis

Biologika können Patientinnen und Patienten verschrieben werden, die unter mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis leiden und bei denen eine innerlich wirkende Therapie infrage kommt. Die Medikamente werden in der Regel in festgelegten zeitlichen Abständen unter die Haut gespritzt. Nach entsprechender Anleitung durch geschultes Fachpersonal kann dies von Betroffenen auch selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

Wie für alle Medikamente gilt auch für Biologika: Auch neue Therapien können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Nutzen und Risiko einer Behandlung sind stets gewissenhaft abzuwägen. Ob eine Behandlung mit Biologika geeignet ist, hängt vom individuellen Fall ab und erfolgt nur nach Empfehlung des Arztes oder der Ärztin. Betroffene, die das Gefühl haben, dass ihre Neurodermitis unkontrolliert ist, sollten mit ihrem Dermatologen oder ihrer Dermatologin über langfristige Therapieoptionen sprechen.